Einleitung
Grade für Packet-Radio-Neueinsteiger sind die verschiedenen Parameter ein Buch mit sieben Siegeln.
Wofür sind diese Parameter überhaupt gut und wie stellt sie am Besten ein ? Warum gibt es keine Standard-Parameter ?
Am häufigsten ist die Firmware TF2.7b verbreitet. Wer mit TFPCX oder mit einem TNC2 arbeitet wird meistens diese Firmware verwenden. Es gibt auch andere Firmware, wie TAPR, Flexnet, usw.
Hier wird nur auf die TF2.7-Firmware eingegangen, da TAPR heutzutage kaum noch im Einsatz ist und Flexnet für CB-Anwendungen nicht freigegeben ist.
Welche Parameter gibt es?
Es gibt bei TF2.7 verschiedene Parameterarten. Einige dienen nur zur Ansteuerung des TNCs, andere wiederrum haben direkte Auswirkungen auf das Sendeverhalten des Modems/TNC.
Mit den Parametern für die Ansteuerung des TNCs muß sich heute keiner mehr beschäftigen, da dies die PR-Programme übernehmen. Diese übergeben automatisch die entsprechenden Einstellungen an das TNC.
Deswegen widmen wir uns den Parametern, die für den User interessant sind. In den gängigen PR-Programmen kommt man mit der 'ESC'-Taste in den Befehlsmodus, wo man dann die Parameter eingeben kann.
Die meisten Terminal-Programme (XP-Packet, STOP, GP, TGP, SP, Winbox, WinSTOP, TNT, etc.) stellen die Parameter beim Start ein, wie sie in der Konfigurations-Datei angegeben sind. Meistens findet man diesen Teil in der Konfigurations-Datei unter "TNC-Initialisierung". Dort sind auch in der Regel schon irgendwelche Werte eingetragen, die der Benutzer aber jederzeit ändern kann.
Die wichtigsten Parameter für den Anfang sind: Frack (F), MyCall (I), Retry (N), Maxframe (O), Persistence (P),Slottime (W),PTT (X),TXDelay (T), Ports (Y),Connect (C) und Disconnect (D)
MyCall (I)
Am Anfang muß man dem TNC erstmal sagen, wie welches Rufzeichen man hat, was als Absender benutzt werden soll. Dies geschieht mit dem Parameter I.
Hat man das Rufzeichen ABC123, dann muß man folgendes eingeben: I ABC123
Gibt man nur I ein, bekommt man eine Rückmeldung, welches Rufzeichen aktuell im TNC eingestellt ist auf den aktiven Port.
Connect (C)
Der nächste wichtige Befehl ist der Connect-Befehl. Mit diesem Befehl gibt man an, welches Ziel gerufen werden soll.
Angenommen man möchte die Station XYZ321 rufen, dann gibt man C XYZ321 ein und die Verbindung wird aufgebaut.
Wenn man eine Station auf direkten Wege nicht erreicht, kann man einen oder mehrere Nodes zum Verbindungsaufbau verwenden, oder man versucht es per Via. Auch hierzu wieder ein kleines Beispiel: Angenommen man möchte die Station XYZ321 rufen, aber man erreicht sie nicht direkt. Eine andere Station DEF789 erreicht das Ziel und man kommt selber dort hin, dann kann man eine Via-Verbindung aufbauen. Dies geht mit dem Befehl C XYZ321 DEF789.
Reine Via-Verbindungen wurden zur Anfangszeit von Packet-Radio gemacht und werden heute kaum noch gemacht, lediglich in Gebieten, wo es keine Nodes gibt. Damit Via überhaupt funktioniert, muß die Station DEF789 überhaupt das Via erlauben (siehe weiter unten bei "Via-Connects (R)").
Der bessere und empfohlene Weg ist das Benutzen von Nodes.
Disconnect (D)
Um eine Verbindung zu beenden, benutzt man den Befehl D. Im Gegensatz zu den anderen Parametern wird dieser Befehl ohne Werte übergeben. Eine Eingabe von D leitet die Verbindungstrennung ein. Die Verbindung ist dann getrennt, wenn die Gegenstation dies bestätigt hat. Führt man den Befehl 2x hintereinander aus, wird die Verbindung sofort getrennt, ohne auf die Bestätigung der Gegenstation zu warten.
PTT (X)
Damit das TNC überhaupt auf Sendung geht, muß man die PTT-Leitung aktivieren. Dafür ist der Parameter X zuständig. X 0 bedeutet, daß diese abgeschaltet ist und das TNC nicht auf Sendung geht. X 1 aktiviert die PTT und das TNC geht auf Sendung. Gibt man hingegen nur X ein, erhält man den aktuell eingestellten Wert.
TXDelay (T)
Jedes Funkgerät braucht eine gewisse Zeit bis der Sender mit seiner vollen Leistung sendet, wenn die PTT-Taste betätigt wird. Beim Sprechfunk merkt man davon nichts und muß sich auch keine Gedanken drum machen. Bei Packet Radio sieht das allerdings anders aus. Hier muß dem TNC gesagt werden, wielange es warten muß zwischen dem Betätigen der PTT und des eigentlichen Aussenden der Packete. Hierfür wird der Parameter T verwendet.
Die Angabe erfolgt in 10ms-Schritten. Ein Wert von 200ms wird mit T 20 eingestellt. Der aktuell eingestellte Wert kann mit der Eingabe von T abgefragt werden.
Bei der Frage nach den optimalen Wert scheiden sich die Geister. Einige sagen, daß Werte über 30 zu hoch sind, andere sind der Meinung daß 15 schon zuviel sind. Was oft außer acht gelassen wird, ist der eigentliche Faktor, der für die Ermittlung des Wertes eine Rolle spielt: Das verwendete Funkgerät selber. Für manche Funkgeräte sind Werte von 10 vollkommen ausreichend, während andere Funkgeräte unter 30 nix zustande bringen.
Den optimalen Wert erreicht man experimentell, indem man mit z.B. 30 anfängt und dann in 5er Schritten den Wert immer mehr verringert, bis man den Eindruck hat, daß man seine Packete nicht mehr losbekommt.
Spricht man einen Node auf einen Berg an, sollte man einen möglichst optimalen kleinen Wert für das TXDelay nutzen, da sonst die Gefahr besteht, daß andere Stationen auf der anderen Seite des Berges reinsenden und der Node auf den Berg nichts mehr versteht. Je kleiner der Wert, desto wahrscheinlicher, daß man vom Node auf den Berg auch gehört wird. Hohe Werte sind kontraproduktiv.
Ports (Y)
Mit diesem Parameter bestimmt man die Anzahl der Verbindungen. Standardmäßig verwendet man 10 Verbindungen, d.h. man kann 10 Verbindungen zu anderen Stationen gleichzeitig haben. Das kann ziemlich streßig für den User sein, wenn er soviele Verbindungen gleichzeitig hat. Deshalb gibt es die Möglichkeit die Anzahl der Verbindungen einzuschränken. Ist viel Betrieb auf der Frequenz, sollte man aus Rücksicht zu den anderen Usern den Wert runtersetzen.
Angenommen man möchte nur 3 Verbindungen haben, dann stellt man den Parameter Y auf 3 (Y 3). Hat man 3 Verbindungen aufgebaut und jemand von außen versucht eine 4. Verbindung aufzubauen, wird diese abgewiesen. Möchte man hingegen selber eine 4. Verbindung aufbauen, geht das auch ohne den Parameter Y hochzustellen. Die Einschränkung ist nur für eingehende Verbindungen aktiv. Dabei ist es unerheblich, wieviele Verbindungen davon ein- oder ausgehend sind.
Auch hier kann man durch die reine Eingabe von Y den aktuellen Wert erfahren.
Retry (N)
Dieser Parameter bestimmt die Anzahl der Wiederholungen, um ein Packet zu zustellen. Wenn die Gegenstation das Packet nicht verstanden hat, dann wiederholt das TNC dieses Packet automatisch, und zwar so oft, wie mit diesem Parameter eingestellt ist. Mit N 10 legt man fest, daß er es 10mal versuchen soll, bis die Verbindung mit einem "Link failure" abgebrochen wird.
Gute Werte für N liegen zwischen 10 und 20. Ist N kleiner, reißt die Verbindung sehr schnell und sehr hohe Werte machen kaum Sinn, auch nicht, wenn die Verbindung sehr schlecht ist.
Den aktuellen Wert kann man mit der einfachen Eingabe von N erfahren.
Frack (F)
Der Frack-Wert bestimmt die Zeit zwischen den einzelnen Wiederholungen (siehe Retry (N)), die das TNC wartet, bis das Packet nochmal gesendet wird, wenn es nicht vorher durch die Gegenstation bestätigt wird.
Die Werte werden in Millisekunden angegeben. Ausnahme bilden Werte, die kleiner sind als 16. Diese werden mit dem Faktor 50 multipiliziert, d.h eine Eingabe von 6 bedeutet eine Wartezeit von 3 Sekunden.
Eingestellt wird dieser Wert mit dem Parameter F. F 500 bedeutet eine Wartezeit von 5 Sekunden.
Dieser Wert ist aber nur ein Startwert, denn TF2.7b paßt diesen Wert automatisch der Aktivität auf der Frequenz an. überprüft man den Wert mit der einfachen Eingabe durch F wird man feststellen, daß der Wert sich laufend ändert. Werte zwischen 300 und 500 haben sich als guter Wert durchgesetzt.
Maxframe (O)
Maxframe legt die Anzahl der Packete fest, die in einem Sendedurchgang gesendet werden. Hier sind Werte von 1 bis 7 möglich. Dieser Wert wird mit O festgelegt. Die Eingabe von O 2 bewirkt, daß maximal 2 Packete aufeinmal gesendet werden.
Sinnvolle Werte sind 1 oder 2. Höhere Werte machen nur bei sehr guten Verbindungen Sinn und bringen nur beim übertragen von größeren Texten was, ansonsten sorgen sie nur für Frust, weil oft viele Packete wiederholt werden müssen, bis sie ihren Empfänger erreichen.
Abfragen des aktuellen Wertes kann man mit der Eingabe von O.
Persistence (P)
Um zu verhindern, daß mehrere Stationen gleichzeitig senden, ist der Persistence-Wert zuständig. Mit diesen Wert regelt man die Wahrscheinlichkeit mit der das TNC auf Sendung geht. Das TNC "würfelt" nach Ablauf der Slottime (W) eine Zahl zwischen 1 und 255. Ist diese Zahl unter dem Wert, der bei Persistence eingestellt ist, geht das TNC auf Sendung. Ist der Wert höher, dann wartet das TNC die Slottime ab und "würfelt" dann erneut. Das geht solange, bis der Wert unter dem eingestellten Persistence-Wert liegt.
Den Persistence-Wert regelt man mit dem Parameter P. Sinnvolle Werte liegen zwischen 32 und 128. Er hängt davon ab, wieviele Stationen (Nodes und Boxen eingerechnet) auf der Frequenz aktiv sind. Als Faustregel gilt 255 geteilt durch die Anzahl der Stationen, um ein faires Miteinander zu gewährleisten.
Ein Wert von 64 stellt man mit P 64 ein. Abfragen des aktuellen Wertes geht mit der Eingabe von P ohne Wert.
Slottime (W)
Mit der Slottime bestimmt man die Zeitspanne, die das TNC zwischen den "würfeln" (siehe Persistence (P)) wartet, bis es erneut eine Zufallszahl würfelt. Die Werte werden in 10ms-Schritten angegeben.
Sinnvolle Werte liegen zwischen 10 und 20. Eingestellt werden diese mit dem Parameter W. Die Eingabe von W 10 stellt die Zeitspanne auf 100ms. Mit W fragt man den aktuellen Wert ab.
Warum gibt es keine Standard-Parameter?
Wenn man den vorigen Abschnitt genau durchgelesen hat, wird man diese Frage schon von selbst beantworten können.
Die Parameter müssen den aktuellen Bedinungen vor Ort angepasst werden. Sie hängen von vielen Faktoren zusammen, wie z.B. vom verwendeten Funkgerät und von der Anzahl der aktiven Stationen auf der Frequenz.
Mit der Zeit gewinnt man ein Gesprür, wann man welchen Parameter wie ändern muß, um eine stabile Verbindung zu haben.
Es gibt auch schlechte Parameter (Kampfparameter), mit der man sich das Leben selber, und das der anderen User, schwer machen kann. Zu hohe Werte bei Persistence und TXDelay, sowie zu kleine Werte bei Frack und der Slottime. Was viele nicht kapieren, wenn sie Kampfparameter verwenden, daß sie sich selber am meisten schaden ! Sie senden in Packete rein, die für sie selber bestimmt sind. Abgesehen davon, daß sie in der Beliebtheitsskala weit nach "oben" wandern.
Wer sich unsicher ist, sollte einfach mal erfahrene User fragen und auch deren Ratschläge annehmen.